09.09.2013 Neues Flensburger Punktesystem

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Was sich im Flensburger Punktesystem ändert

Die Flensburger Punktekartei funktioniert ab Mai 2014 nach neuen Regeln. Es gibt seltener Punkte, aber dafür schneller Fahrverbote. Doch es bleiben viele Fragen, die Autofahrer verunsichern. Dafür sollten Betroffene jetzt handeln und nicht erst den Umstellungstermin abwarten!

Das wichtigste zuerst: Wann ist der Führerschein weg?

Acht statt 18 Punkte - das fasst wohl die größte Änderung im Punktesystem der Verkehrssünderdatei in Flensburg zusammen. Die Obergrenze für das Punktekonto wird nach unten korrigiert. Je nachdem, wie schwer das Vergehen eines Autofahrers ist, bekommt er einen, zwei oder drei Punkte. Hat ein Autofahrer vier oder fünf Punkte auf dem Konto, wird schriftlich gemahnt. Darüber hinaus wird ein Fahreignungs-Seminar zur Pflicht. Ab acht Punkten ist der Führerschein weg.

Eine sinnvolle Änderung?

Eine sinnvolle Änderung - findet Markus Schäpe, Jurist beim ADAC: "Die Punktreform erscheint uns als sinnvoller Kompromiss. Seit über einem Jahr wird ja nun darüber beraten, wie das Punktsystem nach über fünfzig Jahren reformiert werden kann, wie es einfacher gemacht werden kann, wie es gerechter werden kann. Und nun ist im Bundestag ein vernünftiger Kompromiss entschieden worden, der aber noch unter dem Vorbehalt der Bundesrats-Zustimmung steht." Es ist also ein Kompromiss. Vor allem der Punkteabbau bleibt ein Streitthema.

Wie die Punkte gelöscht werden, bleibt unklar

Der Leipziger Fahrlehrer Steffen Ferch hält auch deshalb von der Punktereform wenig: Die sogenannte Tilgungsfrist ist noch immer unklar und schwammig. "Wenn ich also eine Überlegefrist habe, dann bedeutet das: Ich habe ein Jahr Bewährung und in dem einen Jahr darf nichts passieren. Wenn nach einem Jahr nichts passiert ist, dann ist der Punkt endgültig weg. Das ist damit gemeint. Was jetzt im neuen System anders ist: Man macht den Punkt nach zweieinhalb Jahren auch richtig weg." Wann diese Fristen beginnen, weiß auch Steffen Ferch nicht genau. Mit dieser Kritik steht er nicht allein: Auf dem jährlichen Verkehrsgerichtstag wurde die Reform von den Experten scharf kritisiert.

Die Vorteile des neuen Punktesystems

Die Punktereform hat aber auch Vorteile für den Autofahrer: So werden nur noch Punkte verteilt, wenn der Autofahrer die Verkehrssicherheit gefährdet. Alles andere - wie etwa ohne grüne Plakette in eine Umweltzone fahren - soll nur noch Geld kosten. Markus Schäpe vom ADAC erklärt: „Man muss allerdings davon ausgehen, dass wohl auch im Jahr 2014 die Höhe der Geldbußen etwas angehoben wird, weil beispielsweise bei der Umweltzone eine Kompensation des wegfallenden Punkteeintrags erfolgen wird. Das heißt: Heute kostet dieser Verstoß 40 Euro und bringt einen Punkt - In Zukunft kostet er 80 Euro, dafür keinen Punkt mehr." In Zukunft wird die Punkteskala zwar kleiner, aber es werden auch weniger Punkte insgesamt vergeben. So kostet etwa ein gefährliches Überholmanöver nur noch einen Punkt statt wie bisher zwei.

Viele offene Fragen

Wie die Punkte künftig abgebaut werden sollen, steht noch nicht fest. Das soll zwar weiterhin mit freiwilligen Seminaren möglich sein. Doch bei der Fahrschule Ferch herrscht noch Skepsis: "Es wird noch einige Veränderungen geben: wie das Fahreignungs-Seminar aussieht, was der Psychologe für eine Rolle spielt, was die Fahrschule für eine Rolle spielt - das ist alles noch nicht in dem Topf, in dem es kocht. Wir müssen jetzt erstmal abwarten, was passiert und wie das Gesetz umgesetzt werden soll."

Alte Punkte - neu verpackt

Fest steht bereits: Alte Punkte werden in das neue System umgerechnet. Wer jetzt bis zu sieben Punkte auf seinem Konto hat, gilt als vorgemerkt. Bei acht bis 13 Punkten gibt es eine Ermahnung, danach wird verwarnt. Wer unsicher ist, wie viele Punkte er überhaupt hat, kann kostenlos beim Kraftfahrtbundesamt nachfragen.

von Stefanie Gerressen

Quelle: MDR

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